Rosenfreund der ersten Tage

Dieses Jahr jährt sich der Geburtstag unseres Gründungspräsidenten
Prof. Dr. Gottfried Boesch zum hundertsten Mal

In einer Beilage der zweiten Auflage des Buches «Buch der Rosen» von Dietrich Woessner, suchte der Autor Rosenfreunde, die sich in einer Gesellschaft vereinigen. Unter den Interessenten war auch Prof. Dr. Gottfried Boesch. Bereits anlässlich einer ersten Aussprache mit den Mitinitianten erwähnte er seine Bereitschaft, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Nach seiner Wahl, an der Gründungsversammlung vom 23. Mai 1959, übernahm er hierauf den Vorsitz.

Als Rosenfreund der ersten Tage half Prof. Dr. Gottfried Boesch mit, die Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde aufzubauen. Er übte sein Amt von 1959 bis 1968 und 1973 bis 1983 aus.

Nebst seiner Lehrtätigkeit für Geschichte an der Uni Freiburg im Üechtland und als Lehrer für Geschichte und Deutsch an der Kantonsschule Luzern publizierte Prof. Dr. Gottfried Boesch verschiedene geschichtliche und kulturgeschichtliche Werke.

Rund drei Jahrzehnte wohnte Prof. Dr. Gottfried Boesch auf Schloss Heidegg in Gelfingen. Legendär ist der Ausruf des damaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer beim Anblick des alten Barockgartens: «Hier müssen Rosen blühen!» Bald machte sich der Schlossherr der Heidegg daran, diesen Vorschlag in die Tat umzusetzen. Es entstand ein grossartiger Rosengarten mit über 300 Sorten.

Als rede- und schreibgewandter Botschafter der Rose verfasste Prof. Dr. Gottfried Boesch zahlreiche Beiträge für die frühere Jahresschrift «Das Rosenblatt».

Theo Keller, Präsident

Visite 1951 auf Schloss Heidegg. Konrad Adenauer, Deutscher Bundeskanzler; Vinzenz Winiker, Regierungsrat Kanton Luzern; Prof. Dr. Gottfried Boesch (vlnr)

Schloss Heidegg, Gelfingen

300 Jahre Schlossgarten

«Hier sollten Rosen blühen!» Dieser Ausspruch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer bei seinem Besuch mit der Luzerner Regierung auf Schloss Heidegg im Jahre 1951 kann als Startschuss der Heidegg als Rosenschloss der Schweiz bezeichnet werden. Der damalige Konservator Gottfried Boesch beherzigte den Spruch von Adenauer und wandelte den Nutzgarten zum reinen Schaugarten um.

Die Geschichte des Gartens geht aber um Jahrhunderte zurück. Auf einem Moränensporn hoch über dem Baldeggersee, militärisch sicher und doch verkehrsnah, bauten die Herren von Heidegg um 1200 ihre Burg. 1429 wurde erstmals ein Garten erwähnt. Als die Stadt Luzern im Jahr 1700 Heidegg erwarb, liessen die weltgewandten Ratsherren die Schlossanlage sanieren. Im erneuerten und vergrösserten Garten hielt höfisch-barocke Gartenkultur Einzug.

Aus dem terrassierten Vorgängergarten wurde damals ein Gartenparterre mit grandioser Aussicht, ein barocker Potager (Gemüsegarten). Jeder Quadratmeter musste dem hügeligen Gelände abgerungen werden. Den kühn angeschnittenen Kapellenhügel sicherte man durch eine hohe Stützmauer. Noch heute zeugen der barocke Eckpavillon, die waldseitige Spaliermauer, die Steintreppe hinauf zur Kapelle und der im Wegkreuz plätschernde Springbrunnen von der Entstehungszeit um 1700.

Nach einer Periode bäuerlicher Verwaltung und Besitzerschaft (1798–1875) gelangte die Domäne in grossbürgerlich-patrizischen Besitz. Louis und Caroline Pfyffer von Heidegg-Slidell bezogen von ersten Handelsgärtnereien auch exotische Gemüse und Zierpflanzen. Bereits um 1900 setzte ein polnischstämmiger Kunst- und Handelsgärtner für die Baronin beim Pavillon die Edelrose Caroline Testout. 1950 vermachten die Pfyfferschen Erben Schloss dem Kanton Luzern. Nach dem Besuch der Luzerner Regierung mit dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer entstand der heutige Rosengarten und die Heidegg wurde zum «Rosenschloss» der Schweiz.

2004/2005 musste das nach 50 Jahren rosenmüde gewordene Erdreich ausgetauscht werden. Eine Neugestaltung schien geboten. Die Buchshecken und die schlichte Geometrie des ehemaligen, beetförmig angelegten Nutzgartens gaben den idealen Raster für eine grosszügige und neuartige Präsentation der Rosen vor. Ein schachbrettartiger Edelrosenteppich aus kleinen Rosen- und Rasenfeldern fasst seither die vier Buchsabteile um den Springbrunnen zusammen. Einige der schönsten und kräftigsten Teehybriden gedeihen hier, je 20 Rosenstöcke der selben Sorte. Sie sind dunkelrot, fast schwarzfarben beim Pavillon, dann Richtung Schloss rosa und orange und zuletzt gelb bis weiss.

Die beiden grösseren, gebäudenahen Rabatten sind formal freier gestaltet, erinnern an Cottage Gardens. Englische Rosen erheben sich hier je zu fünfen aus einem in Höhe und Farbwahl fein abgestuften Meer von Stauden. Die Ziergemüse rufen den romantischen Gemüsegarten des 19. Jahrhunderts in Erinnerung. Organisch leiten die weiss und gelb leuchtenden Blüten über zu den Farben des Schlosses.

Der Rosengarten ist das ganze Jahr durchgehend geöffnet.

Siehe auch Jubiläums Rosa Helvetica 2009, Seite 75 ff.

Pius ThaliSeit dreissig Jahren Rosengärtner auf Schloss Heidegg.

Wiedergabe Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Vereinigung Pro Heidegg Dieter Ruckstuhl-Bättig, lic. phil., Geschäftsführer / Kurator Schloss Heidegg