Zum Jahresthema Duftrosen

Spuren der Erinnerung
Von Duft spricht man, wenn ein Geruch als angenehm empfunden wird. Doch auch Ihnen dürfte bekannt sein, was für den einen als angenehm empfunden wird, für andere nicht unbedingt dasselbe ist. Wie auch unangenehme Gerüche ist Duft vergänglich, doch in unserer Erinnerung hinterlässt er unauslöschliche Spuren. Egal ob der Duft meines ersten Parfums, meiner Bleistiftschachtel aus der Schulzeit, einige, etwas abgenutzte Plüschtiere meiner Kinder, die ich sorgsam aufbewahre, oder aber der von Rosen und anderen Blüten, sie alle haben bei mir sehr tiefe Spuren hinterlassen. So erinnert mich «Meierisliduft» noch heute an meine Mutter, die wir an Muttertag mit einem Sträusschen, gepflückt im Wald, überraschten. Auch die Erinnerung an meinen Vater ist mit Duft verbunden, ging er am «Banntag», an dem im «Baselbiet» noch heute vielerorts, überwiegend an Auffahrt symbolisch die Gemeindegrenzen kontrolliert werden, nicht ohne Flieder (Syringa) auf dem Hut aus dem Haus. Natürlich ist Duft auch mit der Erinnerung an meine ehemaligen Gärten verknüpft. Beim ersten ist es der der Strauchrose «Westerland», egal ob ich im Garten einer Rosenfreundin oder in einem Gartencenter an den orange bis lachsrosa changierten, halb gefüllten Blüten rieche. Mit meinem zweiten Garten verbindet mich der Duft der Bourbonrose ’Zéphirine Drouhin’, welcher an sonnigen Junimorgen bei geöffneten Fenstern durchs ganze Haus zog und mich damit in den Garten. Immer wieder begeisterte mich aber auch der Duft der Noisetterose ’Blush Noisette’. Ihre rosa überhauchten weissen, gut gefüllten Blüten verströmten in milden Wintern bis an Weihnachten einen an Gewürznelken erinnernden, betörenden Wohlgeruch. Ich bin mir sicher, liebe Leser, beim Lesen dieser Zeilen wird Ihnen bewusst, dass auch bei Ihnen Duft tiefe Spuren hinterlassen hat.

Brigitt Buser

Westerland

Strauchrose 'Westerland                                                        Foto: Brigitt Buser

Zum Jahresthema Duftrosen

Thibaut von Champagne

„ Heim bin ich aus dem Morgenland an Seel und Leib gesund,
Mich dürstet’ in der Wüste Sand nach Eurem frischen Mund.
Ihr bliebet mir ein treues Weib, da steht mein Glaube fest,
Drum bring ich Euch das Schönste mit, was sich bescheren lässt!“

Die Gräfin wandelt auf und ab in einem sachten Schritt.
Sie las den Brief und las den Brief. „Was bringt der Graf mir mit?
Ists wohl ein Span vom echten Kreuz? Den küsst ich voller Scheu!
Ists in den Zwinger ein Getier? Ein Pardel oder Leu?

Ists dünnen Schleiers Spinneweb, das Werk der Feienhand?
Ein Perserteppich, wie der Fuss noch keinen weichern fand?
Ists denn ein lichter Edelstein? Ists ein Geschirr von Gold,
Daraus sich feiner Rauch empor in blauen Wölklein rollt?“

Der Türmer ruft. Das Tor erfüllt der freudge Pilgerzug:
Barhaupt der Graf in seinem Helm wohl hundert Rosen trug,
Auf manchen Wagen schwankte dann manch tönernes Geschirr,
Darüber blüht ein Rosenhain in würzigem Gewirr.

Der Gräfin Näschen sog den Duft, das Mündchen zeigt’ Verdruss,
Dann lächelts zu dem leichten Hort und bietet sich dem Kuss-
„Wie selig bin ich, liebe Frau, dass Euch der Flor gefällt!
Die Rosen von Damaskus sind die vollsten auf der Welt!

In hundert Kübeln schleppten wir den Rosenwald an Bord,
Er wär mir in der Sonnenglut verdorben und verdorrt,
Neun Tage stürzte Regenguss, der schier das Schiff versenkt-
Ich dachte nur, ich lachte nur: wie der die Rosen tränkt!

Entpanzert, Knappen, mir die Brust, noch bin ich erzumschient!
Ich habe meinen Himmel hier und einen dort verdient!
Mit Rosen will ich drum zu Tisch, mit Rosen schlummern gehen,
Mit Rosen steigen in die Gruft, mit Rosen auferstehen."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches Rosenjahr

Herzlichst, Brigitt Buser

Conrad Ferdinand Meyer
Rose ’Conrad Ferdinand Meyer’                     Foto: Maria Nyffenegger

Sie ist dem gleichnamigen Schweizer Dichter des Realismus gewidmet, der hauptsächlich historische Novellen, Romane und Lyrik geschaffen hat. Geboren am 11.10.1825 in Zürich und gestorben am 28.11.1898 gehört er nebst Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 19. Jahrhunderts. Uns sicherlich bekannt dürfte die humoristische Novelle „Der Schuss von der Kanzel“ sein, die im Jahr 1878 erstmals vom «Zürcher Taschenbuch» (Gesellschaft zürcherischer Geschichtsfreunde in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Zürich) veröffentlicht wurde. Besser bekannt dürfte uns jedoch die humoristische Filmversion sein, die 1942 unter der Regie von Leopold Lindtberg entstand. Bei der Rose ’Conrad Ferdinand Meyer’ (Müller 1899) handelt es sich um eine öfter blühenden Rugosa-Hybride (’Gloire de Dijon’ x ’Duc de Rohan’). Ihre Blüten sind von einem warme Rosa und öffnen sich edelrosenartig. Ganz geöffnet stark gefüllt, verströmen sie einen sehr intensiven Duft. Einziges Makel ist ihr dunkelgrünes Laub an stark bewehrten Trieben, das etwas sternrusstauanfällig ist. Daher benötigt ’Conrad Ferdinand Meyer’ einen gut durchlüfteten Standort und sollte im jeweils Frühjahr grosszügig ausgelichtet werden, was ein rasches Abtrocknen des Laubes nach Regengüssen fördert. Bei optimalem Standort kann der sehr winterharte Strauch mit ausladendem Wuchs eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen.

Brigitt Buser