Der Frühling kommt!

'Westerland' von Kordes (1969)

Seit Wochen ist es zu warm, es soll der wärmste Januar seit Messbeginn sein. Neben all den Januar-Blüten (siehe letztes Heft) blüht bei uns im Garten nun Ende Januar der Winter-Jasmin, Alpenveilchen, Stinkende Nieswurz, Märzenbecher, Goldlack, Drachenweide; die ersten Krokusse stecken ihre Köpfe raus. Die Meisen singen ihre Liebesmelodie und unsere Igel sind verwirrt, wachen immer wieder auf. Unser Februar-Heft und Homepage sollen also auf den kommenden Frühling einstimmen, auch wenn der Winter noch einige garstige Rückzugsgefechte liefert.

In den Berichten der Leiter/innen der regionalen Rosengruppen kommt auch diese Erwartung durch: Schnittkurse sind überall geplant – bald geht es auch mit den Rosen los!

Unser Jahresthema ist Wildrosen, aber auch „naturnahe Rosen“. Die Definition dieser letzteren Gruppe ist etwas ungenau; wir verstehen darunter Kultursorten, die mit einfachen oder halbgefüllten Blüten Insekten Pollen und Nektar bieten, sowie solche, die im Herbst mit ihren Hagebutten Vögel erfreuen. Diese Sorten sind eher robust und pflegeleicht im Charakter, ähnlich der Wildrosen, haben aber den Vorteil, dass sie auch öfterblühend sein können. Mario Moser präsentiert uns diesmal eine Reihe naturnaher Rosen, die in jedem Garten Freude bereiten würden.

Nächstes Jahr wird unser Verein 60 Jahre jung! Der Ausschuss von Vorstand und die regionalen Leiter/innen hat beschlossen, dass unser Jubiläumsthema in 2019 „Duftrosen“ heissen wird. Mit Richard Huber hatten wir ja in der Schweiz einen Züchter, der in internationalen Wettbewerben mit seinen Züchtungen Höchstpreise gewonnen hat: ‚Glückskette‘, ‚Hans Rathgeb‘, ‚Doris Leuthard‘, Christina Kuenzle‘ und ‚Etienne‘. Nun berichtet diesmal Theo Keller über den neuesten Erfolg von ‚Schloss Wildegg‘.

Schreibt mir was Euch im Rosenblatt gefallen hat, was nicht, und was ihr noch vermisst. Euer

Behcet Ciragan

 

 

 

 

 

Zum Jahresthema «Wildrosen»

Mit der Pollen-trunkenen Hummel ist die Rosa highdownensis, eine aufrecht wachsende Moyesii-Hybride von Sir Frederick Stern (1928).

Ist Euch schon aufgefallen, dass nach einer Überlandfahrt die Frontscheibe praktisch immer sauber ist? Ich erinnere mich noch gut, dass noch vor wenigen Jahren bei jedem Tankstellen-Stopp die Scheibe gereinigt und abgekratzt werden musste. Es fleucht kaum noch!

Diese subjektive Feststellung wurde vergangenen Oktober durch eine in Deutschland publizierte Langzeituntersuchung bestätigt: Seit 1986 seien in deutschen Schutzgebieten die Biomasse der Fluginsekten um 76 % zurückgegangen. Dabei sind die meisten Arten, also Schmetterlinge, Motten, Bienen, Hummeln, Wespen, Fliegen betroffen. Eine Katastrophe für Wildpflanzen, von denen 80 % für ihre Bestäubung von Insekten abhängig sind und Vögel, die sich zu 60 % von Insekten ernähren. Ach ja, meine Nachbarin sagte, sie hätte gar keine Vögel mehr in ihrem Garten. Über die Ursachen des Insektensterbens wird nun gestritten, aber das ist auch gar nicht das Thema unseres Rosenblattes.

Unsere Gärten sind vermehrt zu Reservaten innerhalb ökologischen Einöden in Stadt und Land geworden, Einöden von verpflasterten Flächen, Steinwüsten, sterilen Sichtschutz- Hecken von Thuja und Kirschlorbeer. Unsere Gesellschaft propagiert schon seit einigen Jahren den biologischen Pflanzenschutz. Dieses Jahr wollen wir einen Schritt weiter gehen und das Wilde, den naturnahen Garten und den Mut zur Unordnung thematisieren und propagieren. Als Leitmotiv für 2018 haben wir uns deshalb die Wildrose genommen. Wildrosen mit ihren einfachen bis halbgefüllten Blüten und reichlichem Pollenangebot sind ein ideales «Bienenfutter». Sie blühen für kurze Zeit, aber mit der Pflanzung verschiedener Arten kann man von April bis September ihre zauberhaften Blüten geniessen. Die Eleganz dieser flatternden Schmetterlingsblüten ist nach einer längeren Durststrecke wieder in das Fokus namhafter Züchter geraten: Seit mehreren Jahren verfolge ich die internationalen Prämierungen an den Rosenausstellungen – es ist kein Zufall, dass Adam, Evers, Kordes, Meilland, Rateau, Velle, Vissers u. a. mit einfachen oder halbgefüllten «naturnahen» Rosen in den letzten Jahren vermehrt Goldmedaillen gewonnen haben. Diese naturnahen Züchtungen sind eine ideale Ergänzung und Erweiterung zu Wildrosen im Garten.

Die Bedeutung von Hecken als Deckung und Unterschlupf für Vögel und Kleintiere ist bekannt. Gärten ohne jegliche Rückzugsmöglichkeit werden von Vögeln eher gemieden. Für eine übersichtliche Hecke ist auch in einem kleineren Garten Platz. Empfohlen sind neben einheimischen Gewächsen wie Felsenbirne, Hartriegel, Kornelkirsche oder Pfaffenhütchen, auch mindestens ein Drittel Dornensträucher wie Schwarz-, Kreuz- oder Weissdorn, aber auch Wildrosen. Im kleinen Garten ist eine wuchernde Rosa canina sicher fehl am Platz, aber andere Arten wie Apfel-, Filz-, Zimtrose erfüllen den Zweck auch wunderbar. Das Ganze ist auch pflegeleicht – gesund, keine Spritzung, alle paar Jahre wieder mal einen Formschnitt.

Mit der Formen- und Farbenvielfalt ihrer Hagebutten sind Wildrosen für unsere Gärten ein prägendes dekoratives Element während der Herbst- und Wintermonate. Hier möchte ich auch eine Lanze brechen für den Frühjahrsputz und gegen den Winterputz! Lässt die Begleitstauden und -Gräser mit ihren Samenständen über Winter stehen. Es mag unordentlich aussehen für uns, aber Vögel und Insekten sind dankbar, und es wird vermieden, dass überwinternde Arten auf dem Kompost landen. Man muss kein Piet Oudolf sein, damit ein naturnaher Garten geschätzt wird.

Im Laufe dieses Jahres wollen wir diese Thematik im «Rosenblatt» und in der «Rosa Helvetica » weiter entwickeln. Es sind aber auch eigene Aktionen geplant: Der GSRF wird am Samstag, den 12. Mai am Spezialitätenmarkt Wädenswil mit einem eigenem Stand zum Thema Wildrosen präsent sein. Dieser Markt ist mit ca. 5000 Besuchern der wichtigste derartige Anlass in der Deutschschweiz und wir wollen dort neue Kontakte knüpfen.

Für Samstag, den 9. Juni planen wir für Interessenten aus der ganzen Schweiz eine Fahrt zur Wildrosensammlung im nationalen Arboretum du Vallon de l’Aubonne in der Nähe von Lausanne. Wir treffen uns im Arboretum mit unseren Rosenfreunden vom SRAR und besichtigen gemeinsam diese wunderbare Sammlung von über 120 Arten. Nach dem Mittagessen wird man die umgebaute Rosenschule Alain Tschanz besuchen können.

An der Bischofszeller Rosen- und Kulturwoche vom 23. Juni bis 1. Juli wird der GSRF voraussichtlich auch einen Wildrosen-Stand betreiben.

Sodann, an der Jahrestagung vom Samstag, den 8. September wird Thomas Lolling, Leiter des Deutschen Rosariums im Westfalenpark, Dortmund, passend zu unserem Jahresthema über Hagebutten referieren. Wer sich an seinen Vortrag 2008 in Laufen erinnert oder diesen damals verpasst hat, wird unbedingt diesmal dabei sein wollen!

Näheres zu diesen Veranstaltungen werden wir in späteren Rosenblättern publizieren.

Viel Spass und Freude wünscht Euch schon jetzt
Behcet Ciragan

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