von Theodor Zwygart

Lotte Günthart-Maag ist am 13. Mai 1914 als Tochter von Schweizer Eltern in Frankfurt a. M. zur Welt gekommen. 1918 siedelte die Familie Maag-Kölle in die Schweiz zurück. Der Vater, Dr. Rudolf Maag (1863–1960), wurde zu einem eigentlichen Pionier auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Pflanzenschutzes.
Bereits in jungen Jahren kam bei
Lotte Günthart ihre angeborene künstlerische Neigung zum Ausdruck. Schon im Alter von acht Jahren erhielt die begabte Tochter ihren ersten Malunterricht. Wenngleich Lotte auch musikalisch begabt war, sie spielte sieben Jahre lang Geige, fühlte sie sich doch mehr zum malerischen, zeichnerischen Kunstgebiet hingezogen. Ihre künstlerische Laufbahn führte sie über verschiedene Stationen: Mit 19 Jahren (1933) studierte Lotte an der Central School of Arts and Crafts in London verschiedene Fächer; aber auch Aufenthalte in Paris an der Académie Ranson und an der Académie André Lhote gehörten zu den Stationen der künstlerischen Grundausbildung. Besonders jedoch freute sich Lotte Günthart auf Berlin: «Alle meine Träume schienen dort auf mich zu warten», schrieb sie im faszinierenden Buch ihrer Lebensgeschichte «Verweile schönes Licht». Dort setzte sie sich an der Kunstschule des Westens mit verschiedenen Techniken des Bleistiftzeichnens, des Aquarellierens und mit der Kaltnadelradierung auseinander. 1940 kehrte die Künstlerin in die Schweiz zurück, wo sie sich der Gesellschaft schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen anschloss. Sie beteiligte sich bei Gemeinschaftsausstellungen dieser Gesellschaft in Luzern, Lausanne, Basel und Zürich.

Ihre erste und erfolgreiche Einzelausstellung schuf sie in der Galerie Neupert in Zürich. Im Jahre 1942 heiratete sie den Maler und Grafiker Willi Günthart (geb. 1915). Zwei Töchter, Lotti und Christa, wurden dem Ehepaar geschenkt. 1950 siedelte die Familie von Zürich nach Regensberg: Das «Haus zum Engelfried» entwickelte sich zu einem Begegnungsort der schönen Künste. Und dort vermochte sich die Künstlerin in schönster Umgebung weiter zu entwickeln und eine sehr vielfältige künstlerische Tätigkeit zu entfalten, z.B. jährliche Herausgabe eines Rosenkalenders (Firma Maag, ab 1954). Mehrere Publikationen mit Text des damaligen Präsidenten der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde, Dr. phil. Gottfried Boesch, zeigten die Vielfältigkeit der Rosenkünstlerin Lotte Günthart auf: «Rose, oh reiner Widerspruch» (Rainer Maria Rilke), «Die Rose des Strassburger Münsters» sowie der in fünf Sprachen übersetzte berühmt gewordene Bildband «Vom Ruhm der Rose». In den Folgejahren kamen dazu: Die Faksimile-Ausgabe «La femme, le poète et la rose»; «A l’heure de l’amour et des roses» (1967); «Alte Rosen und Gedichte» (1968), das Märchenbuch «Tulpenglück» mit Text von Dino
Larese (1970). Später publizierte Lotte Günthart-Maag noch weitere Bücher mit Illustrationen von verschiedenen Pflanzen und Rosen. Besonders eindrucksvoll hat die Künstlerin ihre Lebensgeschichte beschrieben, grossartig dokumentiert und illustriert: «Verweile schönes Licht» (1984 in engl.; 1987 in deutsch). Darin kommt auch zum Ausdruck, wie weit die Künstlerin in ihrem Leben herumgekommen ist und welche grosse Verbreitung und Anerkennung ihr künstlerisches Schaffen gefunden hat. Ihr Schaffen hat damit reiche Früchte getragen, die sie sichtbar und bewusst geniessen konnte.
Davon zeugen auch die vielen Ausstellungen, bei welchen die Künstlerin ihre Kunstwerke zeigen konnte. Chronologische Aufzählung: Luzern, Zweibrücken, Los Angeles, Mailand, London, Paris, Schaffhausen, Schloss Heidegg, Luzern, Rapperswil, Genf, Gent, Saverne, Kreuzlingen, Baden-Baden, Pittsburg, New York, Detroit, Oxford und auf der Insel Mainau.
Seit der Gründung der GSRF im Jahre 1959 in Zürich leistete Lotte Günt-hart einen wesentlichen Beitrag. Ihre Rosenbilder in unterschiedlichster Ausführung wurden zu einem wahren «Markenzeichen» der Publikationen der GSRF. Die Jahresschrift, das «Grosse Rosenblatt», enthielt Zeichnungen oder Aquarelle in allen technischen Schattierungen. Als Sonderbeilage konnten sich die Mitglieder der GSRF jeweils noch über eine Reproduktion einer Rose oder eines Rosenbildes freuen. Diese Bilder zierten in der Folge hunderte von Zimmerwänden und erfreuten Jung und Alt. Auch bei anderen Drucksachen der GSRF beteiligte sich Frau Lotte Günthart mit Werken aus ihrem reichen Kunstschaffen. Dabei unterstützte sie ihr Mann Willi Günthart als Grafiker tatkräftig.
Es erstaunt daher nicht, dass auch eine rubinrote, hundertblättrige Rose den Namen ’Lotte Günthart’ trägt (eine Züchtung des Amerikaners A. Armstrong, Kalifornien).
Vielen Schweizer-Rosenfreunden ist der Name Lotte Günthart zu einem Markenzeichen, zu einem hohen Standard in der Rosendarstellung geworden, auch wenn die Künstlerin selber erstaunt war, dass sich ihr Schaffen so stark auf die Rose konzentrierte. Aber die vielen und verschiedenartigen Darstellungen der Rose und von anderen Blütenpflanzen wirken mit ihrer Lebendigkeit, Differenziertheit und Feinheit der Darstellung bis heute sehr ansprechend und fördern damit die Bewunderung für die Rose. Damit hat sich Lotte Günthart auch ganz in den Dienst der GSRF gestellt, deren Ziel u.a. die Förderung der Liebe zur Rose ist.
1984 konnte Frau Lotte Günthart als Anerkennung für ihre unnachahmlichen Verdienste die Ehrenmitgliedschaft unserer Gesellschaft entgegennehmen.
Ihr Werk bleibt, was es immer schon war: unvergesslich, begeisternd und berührend. Ihr künstlerisches Lebenswerk hat damit ein Stück Rosenkultur in der Schweiz und in der Welt verbreitet
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